Trump und die neue Weltordnung
Historische Fantasie, die braucht es nach den Worten von Andreas Rödder, um mit der neuen Weltordnung umzugehen. Der Professor für Neueste Geschichte an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität hat sich in seinem Buch „Der verlorene Frieden“ mit einer zentralen Frage beschäftigt. Wie konnte es nach der Wende und dem scheinbaren Sieg des liberal-demokratischen Westens dazu kommen, dass die Weltlage heute wieder unsicherer denn je geworden ist? Darüber diskutierte der auch politisch engagierte Mainzer am Montag, 20. Januar 2025, im Presseclub gemeinsam mit dem Europaabgeordneten der CDU, Michael Gahler und Mitgliedern der Europa-Union.
Anlass für die Debatte in der Villa Clementine war die Amtseinführung des 47. Präsidenten der USA. Für Rödder ist die Wahl Donald Trumps ein weiteres deutliches Signal für ein Roll back der Grünen Revolution, die er in den achtziger Jahren verortet. Trumps Absage an das Gendern, die Ankündigung, es gebe künftig in den USA nur noch zwei Geschlechter seien Zeichen für ein neues konservatives Denken. In Europa habe diese Gegenbewegung inzwischen zum Teil extremistische Züge. Aber das Beispiel Giorgia Meloni in Italien zeige, dass sich extreme Positionen auch abmildern können. In der von Peter Niederelz und Stefan Schröder moderierten Diskussion war den Rednern anzumerken, wie sehr die markigen Ankündigungen des neuen US-Präsidenten die Gäste verunsichert hat. Michael Gahler, der live aus Straßburg zugeschaltet war, wies darauf hin, dass vor allem der Ausgang des Krieges Russlands gegen die Ukraine für Europa schwerwiegende Folgen haben könne. Sollte Putin die Ukraine besiegen, müsse man sich auf eine Wanderbewegung von Millionen von Ukrainern gen Westen gefasst machen, die ein russische Regime nicht hinnehmen wollten.
Text: Stefan Schröder
Fotos:Thomas Dreesen